Traumasensible Prozessbegleitung
(neurosystemische Integration nach Verena König)

Trauma ist ein Zustand, in dem unverarbeitete Erlebnisse ihre Spuren im Körper, dem Nervensystem, der Seele und dem Geist hinterlassen haben. Es ist, als ob ein Teil in uns, um sich selbst zu schützen, stehen geblieben ist und sich dann nicht mehr befreien kann aus dem fixierten Zustand. Auch wenn das Leben inzwischen weitergegangen ist und neue Möglichkeiten bietet.

Selbst wenn man sich an die Auslöser und Ereignisse, die dazu geführt haben oft nicht mehr oder nur vage erinnert, zeigen sich die Auswirkungen davon im eigenen Leben oft deutlich und auf belastende Weise: der Körper und das Nervensystem tragen die Erfahrungen in Form von Symptomen wie Schmerzen, große Spannungen, Starre, nervöse Übererregung, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, organische Störungen und vieles mehr. Emotional erlebt man im traumafixierten Zustand oft emotionale Übererregung, zum Beispiel in Form von intensiven Gefühlszuständen, die nicht mehr oder nur schwer reguliert werden können - oder gegenteilig als Starre, in der man sich selbst kaum spürt und sich auch emotional von anderen Menschen und der Umwelt isoliert fühlt. Daraus ergeben sich meist große Schwierigkeiten in nahen Beziehungen. Mental zeigt sich Trauma in sich ständig wiederholenden negativen Überzeugungen über sich selbst, andere Menschen, Beziehungen und die Welt, wodurch man sich immer mehr als getrennt von sich und dem Leben wahrnimmt. Immer wieder erlebt man, dass andere Menschen darauf irritiert reagieren, mit Unverständnis, Abwehr und Verurteilung oder auch mit Respektlosigkeit und Übergriffigkeit, was die traumatische Erfahrung wiederum bestätigt und zu einem immer engeren Welt- und Beziehungsbild führt.

Traumasensible Prozessbegleitung bedeutet, in sicherem Rahmen einen Raum des Vertrauens zu schaffen, in dem unverarbeitete Anteile integriert werden können. Die Integration findet auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene statt und wird durch verschiedene Methoden unterstützt, z.B. durch die Arbeit mit inneren Anteilen, der Imaginationskraft, die aus dem eigenen inneren kreativen Raum Heilsames schöpft und mit körperorientierten Selbstregulationsübungen.

Traumasensibel bedeutet, dass die Begegnung in einem vertrauensvollen Beziehungsrahmen auf Augenhöhe stattfindet. Dabei sind Respekt, Akzeptanz, Empathie, Präsenz, Einfühlungsvermögen und das Beachten der oft unklar empfundenen Grenzen ein elementarer Bestandteil der Sitzungen. Die Erforschung der eigenen Ressourcen, d. h. Aspekten die das Selbst stärken und auf gute Weise in der Gegenwart verankern, ist dabei ebenso wichtig wie das Anerkennen, dass das es für alles, was gefühlt und erlebt wird einen guten Grund gibt und damit Sinn macht. Diese guten Gründe erforschen wir miteinander und sehen, wie sie zu einem bestimmten Verhalten geführt und in einer bestimmten Lebensphase auch dem Überleben gedient haben - aber auch wie sie im gegenwärtigen Leben zu sich wiederholenden leidvollen Erfahrungen führen.

Im bewussten Wahrnehmen des Körpers und seiner Reaktionen darauf können wir mit sanften Regulationsübungen die Fähigkeit stärken, präsent zu bleiben und den inneren Raum zu vergrößern in dem Gefühle, Erinnerungen, Körperempfindungen achtsam gespürt und nachverarbeitet werden können. Dadurch reduziert sich die innere Ladung und der im traumatischen Erleben fixierte Zustand kann immer mehr ins fließen kommen - Weiterentwicklung ist möglich.

Diese Prozessarbeit beruht auf der Zuversicht, dass Lösung von Trauma und einen Zurückkehren in den Lebensfluss immer möglich ist, und dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, sich selbst zu erforschen und Selbstregulation zu lernen.

Ich bin sehr dankbar, in diesem vertrauensvollen Rahmen Menschen begleiten zu dürfen.